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Das Schwalbenbuch

Lockende Laute zwitschert die Schwälbin

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Ei, Schwälbchen,

Was Du nicht kannst!

 

Zaghaft und mutig doch

Steigt eins

Auf die Borden des Nestes,

Hebt zierlich sein Schwänzchen ...

Klacks!

Hats sein Werk vollbracht,

Putzt sich

Den kleinen Popo

Mit gesträubten Flügeln,

Und eilig, erhobenen Kopfes,

Stolz wie ein Russenzar

Kriechts in sein Nest zurück.

 

 

Nach oben

 

 

Sah schreiten ein Mädchen

Im Weizenfeld.

Leuchtet ihr rotes Tuch,

Rotes Tuch, rotes Tuch

Oder ihr Herz

 

Sang fern eine Drossel

Im Fliederbusch.

Klang wie ein Liebeslied,

Liebeslied, Liebeslied

Oder auch Spott

 

Ein Sommer noch,

Zwei Sommer noch,*

Trallalala, Trallalala

 

 

Nach oben

 

 

Drohte Gefahr, klagen würde die Schwälbin

Mit schrillem Pfeifen

Den Winden ihre dumpfe Angst.

Vom Fenster zum Nest, vom Nest zum Fenster

Fliegt sie gelassen.

Im Neste hocken,

Eins sich kauernd ans andere,

Die Jungen.

Über den Nestrand

Lugen die Köpfe,

Beugen sich vor, ducken zurück, wiegen sich rhythmisch

Im Takte mütterlichen Flugs.

Streichen der Schwälbin Flügel

Das wärmende Nest,

Recken sie schreiende Schnäbel,

Zärtlicher Wartung gewöhnt.

Aber gleich in ernstem Besinnen

Verstummen sie,

Und in kindlichen Augen wird wach

Ein seltsames Leuchten.

 

Lockende Laute zwitschert die Schwälbin,

Verweilend.

 

O köstliches Wunder!

Krabbelt ein Junges hervor,

Spreitet die winzigen Flügel ...

Erhebt sich ...

Fliegt,

Fliegt

Schwankend und dennoch voll Anmut,

Leiht seiner Angst

Die zierliche Geste edler Gesittung,

Setzt sich, klopfenden Herzens,

Neben die glückliche Mutter.

 

Mit Lob und leckeren Bissen

Verwöhnen die Eltern

Das mutige Junge.

 

Die im Neste

Erheben Geschimpf und Geschelt.

 

 

Nach oben

 

 

 

Auf den nahen Dachfirst fliegt das tapfere Junge.

Neugierig beguckts die Welt.

Beguckt zum erstenmal die Welt.

Freunde, ich sehe mit ihm zum erstenmal die Welt.

Da sitzt mein Schwälbchen. Über sich die leuchtende,

Wärmende Sonne, unter sich die blühende, atmende Erde.

Die Blumen, die Bäume, die Dachziegel,

Die fernen Wälder, die Telegraphendrähte,

Alle alle beugten grüßend

Die schweigenden Häupter.

 

 

Nach oben

 

 

Es rauschen die reifenden Ähren

Auch mir dem Gefangnen.

Es wölbt sich des Sommers blauender Himmel

Auch diesem gestorbenen Hof.

 

Ich atme

Im Mittag süßer Beglückung.

 

Erde! Geliebte!

 

 

Nach oben

 

 

Vom mutigen Jungen lernen die Geschwister.

Wie es mit schöner Geduld ihnen hilft!

 

Und noch ein paar Tage später tummeln sich

Draußen Alte und Junge.

 

In heiteren Spielen lernen die Jungen des Fluges

Festliche Kunst ...

 

Abends kehrten sie nicht mehr heim.

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