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Das Schwalbenbuch

Mensch, sahest Du je ein Tier weinen?

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Lausche ich Euch, Schwalben,

Lächle ich meines werkenden Tuns.

 

Die Menschen Mitte des Weltalls?

Warum nicht die Schwalbe!

Erhebet doch, erhebet doch

Die Schwalbe

Auf den Thron des siebenten Tages.*

 

Um des Menschen willen

Habt Ihr Menschen gemordet,

Um der Schwalbe willen,

Vielleicht, dass ihr den Menschen findet.

Und mehr als den Menschen.

 

Lausche ich Euch, Schwalben,

Lächle ich meines werkenden Tuns.

Lächle auch Du, Freund.

 

 

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Und wieder richten die Schwalben das Nest.

 

Und wieder Tage werbender Liebe, trunkener Erfüllung.

 

Und wieder ward mir friedliche Beglückung.

 

 

Aber draußen kämpfen die Brüder ...*

 

 

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Vier Junge, blind noch, zittern im Nest.

Immer seltener kehren die Eltern heim.

Not! Not!

Keine Nahrung für die Jungen in der Erloschenheit

Nebliger Tage.

Not! Not!

Am Abend schmiegen sich nackte Leiberchen

An die mütterliche Brust, so hilflos vertrauend,

Als schmiegten sich Sterbende ans Herz

Inbrünstig geträumter Gottheit.

Die Schwälbin weinte.

 

Mensch, sahest Du je ein Tier weinen?

 

Schwalbenmutter

 

 

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Frost kam über Nacht

In einem Leichenmantel.

 

Am Morgen bin ich aufgewacht.

Das Nest war leer ...

Mein Herz war leer ...

 

O liebe kleine Schwälbchen

 

 

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Die Schwalbeneltern trauern um ihre Jungen.

In einer sehr wehen Nähe kauern sie auf dem Draht, der sich

über meinen Tisch spannt.

Eines schenkt dem andern die Wärme seines Blutes.

Anders trauert Ihr, meine Schwalben, als Menschen trauern.

Eure Klage: ein frierendes Erschauern vor dem Hauche der

Unendlichkeit.

Mit Euch trauert der dämmernde Abend.

Mit Euch trauern die Dinge meiner Zelle.

 

Erhabenes Schweigen

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