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Das Schwalbenbuch

Schwälbchen, der Morgen,
der Morgen ist da!

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Auf dem gebuckelten Nestrand

Sitzt die Schwälbin.

Schaut mit ernsten, erwartenden Augen

(Wie wenig kennen die Menschen

Eure Augen, Tiere!)

Auf die heilige Stätte der Wandlung.

Ab und zu

Klopft sie mit knackendem Schnabel

An kalkumpanzerte Welten

Trächtigen Lebens.

Lauschend verweilt sie

 

Unsäglich zärtlicher Laut!

Eilig fliegt das Männchen herbei,

Aufgeregt, geschäftig, betriebsam

Umkreist es plaudernd das Nest.

Gleich in schelmischer Freude

Wehrt die Schwälbin

Dem forschenden Flug.

Endlich hält sie inne.

Sehr sanft wird ihr Blick,

Sehr weich und gelöst

Ihre Gebärde.

 

Und das Schwalbenmännchen

Erschaut

Sich,

Sich in fünf winzigen

Blinden, atmenden

Gesichten.

 

Lasst mich teilnehmen

An Eurer Beglückung,

Gefährten.

Pate will ich den fünfen sein,

Mitsorgender, helfender Schützer.

 

Ich gratuliere! Ich gratuliere!

 

 

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Schwälbchen, der Morgen, der Morgen ist da!

Nachts hat Mutter Euch Märchen gezwitschert,

Jetzt sucht sie Brot zum Schnäbleinstopfen,

Schwälbchen, der Morgen, der Morgen ist da.

 

Schwälbchen, der Morgen, der Morgen ist da!

Sonne pocht an und will Euch begrüßen,

Öffnet die braunen Guckäuglein,

Schwälbchen, der Morgen, der Morgen ist da.

 

Schwälbchen, der Morgen, der Morgen ist da!

Bald seid Ihr groß, dann werdet Ihr fliegen

Fort übers Meer zu den Negerlein*,

Schwälbchen, der Morgen, der Morgen ist da.

 

 

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Hungrige Schwalben

 

Graue seidene Härchen

Wachsen in komischen Büscheln

Aus rosigen Leibern.

Aufgespießt auf einem dünnen

Überlangen Hals

Der Kopf ...

Reißt eins das gelbe Schnäbelchen auf,

Bleckt

Ein lächerlich wütender Rachen.

 

Immer bleibt das Nest sauber.

Liegt darin ein weißes Würstchen

Mit schwarzem geringeltem Schwänzchen,

Wirds von den Eltern gepackt

Und hinausgetragen.

 

Eifrig füttern sie

Das junge Getier.

Erst wird das Futter

Im Kropf erweicht,

Mit Speichel zart bearbeitet,

Dann in die hungrigen Mäuler gestopft.

Hat der Vater

Das Junge zur Rechten gefüttert,

Füttert die Mutter

Das Junge zur Linken.

Geheimes Gesetz

Waltet.

 

 

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Wie ein Kind, das am Bilde sich freut, am Spiele

Holderer Wesen,

Sah ich Dir zu.

Nun seh ich ein wissender Mensch.

 

Was trägst Du,

Gewürgt vom krallenden Schnabel,

Den hungrigen Jungen herbei?

Ein Tierchen gleich Dir,

Deine kleine Schwester Fliege.

Verkettet auch Du der Urschuld des Lebens!

Weh uns!

Was lebt, mordet.

 

Ich will Dich lieben mit tieferer Liebe,

Da ich weiß, was Schicksal Dich tun heißt.

 

Es ist ein Fluch der Erde,

Nirgends

Atmet das Lebendige

In göttlicher Unschuld.

Und noch das Tote

Muss töten.

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